Die Pubertät

„Der hat Tomaten auf den Ohren!“
„Der ist so stur!“
„Der will mich ärgern!“

Schnell denken wir Menschen, dass der Hund das mit Absicht macht. Urplötzlich zieht er an der Leine, hört nicht mehr auf den Rückruf oder fängt an Essen zu klauen.
Ja, es kann eine schwere Zeit sein, aber der Hund macht es definitiv nicht aus böser Absicht.

Wann geht es los?
Die Pubertät beginnt, je nach Rasse und Individualität, zwischen dem 5. – 14. Lebensmonat. Kleine Rassen kommen etwas früher in die Pubertät als große Rassen.

Woran kann man es sehen?
Es ist eher ein biologischer Prozess in dem die Geschlechtsreife ausgebildet wird. Ein typisches Anzeichen bei Rüden und Hündinnen ist, wenn sie anfangen das Bein zu heben und Imponierscharren (nach dem pipi machen sich schön nach oben durchstrecken, mit den Hinterbeinen den Boden aufwühlen) und häufiger markieren. Hünndinnen bekommen ihre erste Läufigkeit.

Was passiert im Hund?
Jetzt wird es etwas spezifischer, aber ich versuche es zu vereinfachen.
Der Hypothalamus ist ein Bereich im Gehirn, der lebenswichtige Funktionen steuert. Z.B.:
– Körpertemperatur
– Durst- und Hungergefühl
– Schlaf- Wach- Rythmus
Hormonsystem
Der Hypothalamus schüttet bestimmte Hormone aus (GnRH), welche andere Regionen im Gehirn (Hirnanhangsdrüse) stimulieren. So entsteht eine Kettenreaktion, bis hin zur vermehrten Ausschüttung von Testosteron beim Rüden und Östrogen bei der Hündin. Diese sorgen dafür, dass Hemmungen und hormonelle Blockaden nachlassen. Zudem werden neue Synapsen im Gehirn verknüpft, weswegen gelernte Signale (z.B. „Decke“) nicht abrufbar sind.

Wie verhält sich der Hund in dieser Zeit?
Ich möchte noch mal betonen, dass jeder Hund anders reagiert (individuell ist). Sehr oft jedoch, ist der Hund in der Pubertät verunsichert. Er weiß nicht, wo er im Leben steht (soziale Exploration) und ist auch noch ungehemmter.
Er kann schneller ins Aggressionsverhalten kippen, er kann einfache Signale, wie z.B. „Sitz“, nicht immer ausführen. Hat plötzlich ganz „tolle“ neue Ideen, wie auf dem Tisch rumspringen oder Möbel anknabbern. Die ganzen Gerüche werden interessanter, weil potentielle Partner in der Nähe sein können.

Wie lange geht die Pubertät?
Ich kann dich beruhigen, sie wird nicht ewig gehen. Die Faustregel besagt, dass die Pubertät bis zum Ende der 3. Läufigkeit einer Hündin geht. Also ca 15. – 20. Lebensmonat.

Wie verhalte ich mich in dieser Zeit?
Ganz wichtig ist viel Verständnis für den Hund aufzubringen. Dieser kommt gerade kaum mit sich selbst klar. Einen kühlen Kopf bewahren und nicht mit den Emotionen des Hundes mitziehen. Echte Führung bedeutet souverän sein und bleiben. Trotzdem gelten die Regeln, die immer schon galten und sie werden weiterhin durchgesetzt. Damit meine ich nicht 10 mal nein sagen oder wütend bis aggressiv werden. Wir erinnern uns: Souveränität bedeutet Führung. Um eine Anleitung bzw. Hilfestellung zu bekommen, kontaktier mich gerne für ein Training.

Kann ich dem vorbeugen?
Ganz klar: JA! Je besser der Hund in seiner Welpenentwicklung (sozial sensible Phase von der 3. – 20. Lebenswoche) unterstützt wird, um so sicherer wird er, wenn das Hirn abschaltet. Das heißt nicht, dass der Hund überall mit hin muss und alles schnell kennenlernen muss, sondern ein gesundes Maß an Ruhephasen, kurzen Unternehmungen, Gewöhnung und kurzen Trainingseinheiten.

Ich fasse noch mal zusammen:
Der Hund macht nichts aus böser Absicht.
Er entwickelt mehr Hormone und das Gehirn baut neue Verbindungen, so dass er mit sich selbst beschäftigt ist. Das, was er bisher gelernt hat, ist nicht immer abrufbar. Du als Halter solltest Verständnis, Geduld und Souveränität haben, was dem Hund Sicherheit gibt und die Möglichkeit sich an dir zu Orientieren. Die Pubertät dauert ca. (je nach Rasse und Individualität) bis zum 20. Lebensmonat (3. Läufigkeit bei der Hündin). Du kannst dem Hund einen leichteren Start geben, indem du ihn von Welpe an (ab der 8. – 12. Woche/ wenn er einzieht) unterstützt mit kleinen Trainingseinheiten, Ruhephasen, kurzen Unternehmungen und Gewöhnung an Außenreize (belebte Umwelt).



Nach oben scrollen